Judo-Verband
Sachsen-Anhalt e.V.

 

 

Wat ’ne knappe Kiste! - 2. Bundesliga: Halle unterliegt Offenbach 

Beitrag von Sebastian Vogel

Es hätte ein Angriff auf Platz zwei werden können und war doch nur der erste Akt für einen Abstiegskrimi par excellence. Am vorletzten Kampftag der Zweitligasaison 2012 verlor der SV Halle daheim – trotz voller Zuschauerränge, darunter allein mehr als 30 Fans aus Merseburg – mit 6:7 gegen Samurai Offenbach, die ihrerseits mit dem Sieg nun die Vizemeisterschaft gesichert haben. Doppelt ärgerlich: Nicht nur das Ergebnis in dieser Begegnung war knapp; es haben auch sämtliche Konkurrenten um den Nichtabstieg Punkte geholt und so für eine wahnsinnig spannende Konstellation für den letzten Kampftag gesorgt.

Dass es an diesem Kampftag schwer werden würde, zeigte sich bereits in den ersten drei Duellen. Der zuletzt so stark auftrumpfende Slava Popov hatte im 66-kg-Limit arge Probleme mit seinem Kontrahenten Leon Ehmig und verlor folgerichtig mit Punkt nach knapp zwei Minuten. Fast unüberwindlich schien an diesem Tag auch Offenbachs Brian Miles-Smith (-60 kg), der Eric Epler keine Chance ließ und mit Waza-ari für einen Abtaucher siegte. Spätestens für das dritte Duell dann war aber der erste Punkt eingeplant für die Cracks von der Saale. 100-kg-Ass Gunther Dingler ging gegen Florian Lindner auf die Matte, konnte aber gleichfalls keine wirklichen Akzente setzen, schlimmer noch: Auch er verlor 0:7 nach einer Abtauchtechnik. Für den ersten Punkt sorgte endlich Timo Prellwitz. Nach einem Yuko für einen Konter musste Gegner Alexander Schönfeld zum Ende des Kampfes hin offensiver kämpfen und lief Timo schließlich nach 4:55 Minuten in einen starken Seoi-nage: Ippon und 1:3. Nicht ganz so lange, nämlich nicht mal eine Minute benötigte dann Schnellarbeiter Michael Möbius bis 81 kg, ehe er Markus Horn vorzeitig wieder von der Tatami schickte. Nicht den Ausgleich, sondern das 2:4 bedeutete in der Folge das Duell im Schwergewicht. Jakob Lange konnte seinem um einige Kilos schwereren Kontrahenten Michail Alexiadis nichts entgegenbringen und verlor nach 27 Sekunden auf Te-guruma. Für den 3:4-Anschluss zur Pause sorgte schließlich in der 73-kg-Klasse Christian Naujoks. Bereits nach 26 Sekunden konnte er Sascha Puzik mit Uchi-mata in hohem Bogen auf die Matte befördern und so die Hoffnung auf ein versöhnliches Endergebnis am Leben erhalten.

Da die Offenbacher nur mit zehn Judokas anreisten, also die drei Einzuwechselnden schon feststanden und kein Leichtgewicht darunter war, blieben jedenfalls die untersten beiden Gewichtsklassen bei Samurai gleich besetzt. Sehr zum Leidwesen der Saalestädter… Denn sowohl Ehmig gegen den aufgerückten René Epler als auch Brian Miles-Smith gegen Christoph Gubert waren zu stark, konnten sich mit ihren Seoi-nage-Ansätzen und Abtauchern ein ums andere Mal durchsetzen und brachten die Offenbacher wieder mit 6:3 in Front. In der 100-kg-Klasse gab es abermals das Duell Dingler gegen Lindner. Dieses Mal kam Gunther etwas besser in den Kampf und ließ auch nichts zu, und dann – wohlwollend ausgedrückt: gerade noch mit dem Zeitzeichen – konnte er einen Fußfeger durchbringen, der ihm einen Yuko-Sieg einbrachte. Bald darauf stand es nur noch 5:6: Den kürzesten Kampf des Tages beendete Timo Prellwitz schon nach 20 Sekunden mit einer atemberaubenden Würge. Spannung bot das folgende Duell Möbius’ gegen Dominik Schlegel. Nach einem Ansatz von Micha fielen am Ende beide wertungsverdächtig auf Seite bzw. den halben Rücken, und obgleich man dafür vielleicht besser gar keine Wertung gegeben hätte, wurde Schlegel ein Yuko gutgeschrieben. Der Rest des Kampfes war dann pure Offensive des Hallensers, der dann endlich nach der Hälfte der Kampfzeit den verdienten Ippon-Sieg einfuhr. Nach dem damit geschafften zwischenzeitlichen Ausgleich war es abermals Schwergewicht Alexiadis, der, dieses Mal gegen Hinze, einen Punkt für die Offenbacher einfuhr, sodass es vor dem letzten 73-kg-Duell 6:7 stand. Gegen Lukas Sonne kämpfte Halles Marcus Rohn wirklich aufopferungsvoll, vermochte aber leider keine Wertung zu erzielen, sodass am Ende eine knappe Niederlage zu Buche stand.

Doch damit nicht genug: Die Konkurrenten um den Klassenerhalt aus Chemnitz, Riesa und Backnang siegten allesamt in ihren Duellen, sodass der abschließende Auswärtskampf des SV Halle gegen den BC Karlsruhe entscheidend sein wird. Denn der Vierte Halle hat tatsächlich nur einen Punkt mehr als das aktuelle Schlusslicht aus Chemnitz. Deshalb heißt es am 20. Oktober: Daumen drücken! Damit wir auch nächstes Jahr tolles Zweitligajudo in Halle zu bejubeln haben…


 

Stand: 10. Oktober 2012

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